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October 7, 2005

Megathema Altersforschung (WGL)


Leibniz-Wissenschaftler sind den molekularbiologischen Alternsprozessen in der Zelle auf der Spur - Der demografische Wandel hat auch positive Folgen - Das neue Leibniz-Journal zeigt, "wie wir altern"

Berlin/Bonn. "Alzheimer wird irgendwann heilbar sein." Diese Prognose wagt Peter Herrlich im neuen Leibniz-Journal. Der Mediziner leitet das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena. Dort werden am ersten nationalen Altersforschungsinstitut die molekularbiologischen Vorgänge und die genetischen Faktoren des Alterns erforscht. So verfüge die Forschung inzwischen über die Werkzeuge, um komplizierte Krankheitsprozesse mechanistisch zu verstehen, sagt Herrlich, "zum Beispiel dadurch, dass die menschliche Genomsequenz vorliegt und es mit raffinierten Methoden möglich ist, Unterschiede in einzelnen Bausteinen der Erbsubstanz zu verfolgen und Alters- und Krankheitsprozessen funktionell einzuordnen."

Dennoch sind Tiermodelle aus der Altersforschung nicht wegzudenken. Die Versuchstiere von Christoph Englert und Matthias Platzer tummeln sich in Aquarien des Leibniz-Instituts für Altersforschung und hören auf den Namen Nothobranchius furzeri oder auch Türkiser Prachtgrundkärpfling. Christoph Englert, Experte für Fischgenetik in Jena, verspricht sich von den kleinen Fischen einen großen Schritt für die Altersforschung. "Was wir über Alterung wissen, ist sehr stark durch biologische Modelle an Fruchtfliegen und dem Wurm Caenorhabditis elegans geprägt. Die Arbeit mit Fischen, also Wirbeltieren, ist ein deutlicher Schritt in Richtung Mensch", erklärt er. Die Fische aus Zentralafrika gehören zu den Wirbeltieren mit der kürzesten bislang bekannten Lebenserwartung. Gerade einmal drei Monate dauert die Regenzeit in ihrer Heimat, die ihnen ein Leben in flachen Tümpeln ermöglicht. "Aber auch unter optimalen Bedingungen im Aquarium sterben die Fische aufgrund einer uns unbekannten inneren Uhr nach dieser Zeitspanne", weiß Englert. Damit sind sie ein ideales Studienobjekt für die Altersforschung.

Welchen Einfluss die Gene auf das Alter haben, ist unter Experten umstritten. Die einen sind der Überzeugung, dass es keine genetisch festgeschriebene Obergrenze für die Lebenserwartung gibt, weil es der Evolution schlicht egal ist, was mit einem Organismus passiert, nachdem er sich erfolgreich fortgepflanzt hat - der Rest des Lebens sei Zufall. Andere sehen Fische wie den Prachtgrundkärpfling und beobachten bei ihm ein Lebensprogramm, das mit einem klar definierten Todeszeitpunkt endet. "Und vielleicht ist der Fisch der Schlüssel, mit dem wir solchen genetischen Determinanten auf die Spur kommen," meint Englert.


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Pressemitteilung (pdf)

 


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